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Sonntag. Es glockt. Halte im Kehrwasser, denn es ist zu viel los, um sich einfach treiben zu lassen. Der Kameradeckel ist eben in irgendeiner Bootsritze verschwunden, weil eine saufende Kuh im Wasser stand, schnaubend und kulleräugig fotografiert werden wollte. Familie Schwan mit ihren vier Jungen schaute nur kurz auf und verbargen ihre Schnäbel wieder unter den Flügeln. Meister Wasserratte sucht stromaufwärts das Weite und im Zickzack versucht eine Ente, Flügellahmheit vortäuschend, das Fangmichdoch. Die Nacht war gut. Aber erst nochmal zurück zu Freitag. Es dauerte nicht lange und die Kinder waren mit der einzigen Frau verschwunden. Doch Männerrunde. Nach den ersten paar Bieren am Lagerfeuer mit ordentlich Gegrilltem gab es Maikäferflugbenzin. Nach Leckereien riechender Kräuterschnaps, der gut brennt. Durchgehechelt wurden alle möglichen Stokeligkeiten aus dem letzten Jahr, ein wenig Fachgesimpel über die Trecker. Ich fand heraus, dass man die Treckerreifen immer noch irgendwo bekommt - und wenn es sein muss, eben aus Uruguay. Gegen eins wurde es ruhiger, tiefer Schlaf und zum Abschluss das Fintenmoped als Morgengruss. "Jetzt alle wach?" rief der Spassvogel und ich überlegte, wie ich am einfachsten aus Schlafsack und Zelt zur Morgentoilette komme. Bis ich im Boot sass wurde es zehn und wurde von einigen Neugierigen verabschiedet. Dabei waren der Solarenergetiker und der Karnevalswagenbauer. Um viertel nach eins war ich in Lippstadt an der zweiten Bootsgasse meines Lebens. Diese werden gebaut, um Gefahrenzonen umfahren zu können. Sie funktionieren wie Fischtreppen, nur ohne Stufen. Eine prima Idee. Auf der Pader und vor allem am Lippesee fehlen an vielen Stellen leider solche Einrichtungen. Der Auslauf des Lippesees ist ein schön anzusehender unbefahrbarer Überlauf, am Endergebnis der Umflut, die man ab Mitte 2010 befahren darf, ist eine Wildwasserstelle (schätze WW2) ... Da müsste man mal nachdenken. In Lippstadt an der Bootsgasse ist ein feiner Tisch, Parkplatz und eine prima Einstiegstelle. Lippstädter Wasservögel sind Bootsfahrern gegenüber völlig entspannt. Von einem Kanutenpärchen bekam ich den Tipp: Bootsgasse, hinter dritter Brücke rechts, gelb angestrichener Neubau, da sollte ein Bootsmensch wohnen und seinen Laden haben. Den habe ich gefunden, festgemacht, Treppe rauf, am Törchen stehengeblieben und den Herren, der mit dem Rücken zu mir sass, gerufen, hörte nichts, auch kein Pfeifen. Ich betrat das Grundstück nicht. Habe vergessen, ob ich ihn nicht erschrecken wolle oder wegen der Schicklichkeit. Von gestern Nachmittag bis heute Früh vielleicht heute Abend. Mo PS: Danke für die vielen Grüße ... ich winke zurück! |