20./21. Tag: Enhuizen Compagnieshaven
Geschrieben von Moses (Mail)
Mittwoch, 19. August 2009 um 12:59

[Dienstag, 18. August]

Morgens ist es heiß im Zelt, mein Körper benimmt sich wie in der Sauna.

Beim Check-in beim Havenkantoor (das ist kein singender Mann, sondern die Verwaltung) half Marianne mir übersetzen. Marianne und Ton Jonkers fahren eine 11m-Yacht, die Le Dahouët (Blog siehe: Jonkers Travellog).

Beim Anlegen an dem Schwimmponton fühlte ich mich von allen Seiten ziemlich beobachtet. Marianne kam irgendwann vorbei und lud mich auf einen Kaffee ein. Beide sprechen sehr gut Deutsch und wir haben Geschichten ausgetauscht. Auch ging es über das Bloggen, wenn man auf Reisen ist, was echt Arbeit sei, wenn man täglich etwas berichten will. Die kleinen Dinge seien mir wichtiger aufzuschreiben, was so passiert ist und die Peinlichkeiten durchaus nicht versteckt werden sollten. Als ich von den Vögeln berichtete, die morgens den Zaun langmaschierten und die von Spinnen gefangenen Insekten wegpickten, zückte Ton seine Digitale und zeigte Videos von Amselschwärmen aus dem Wäldchen, die die Yachtmasten besetzen und alles mögliche abpicken würden. Man müsse sich nicht wundern, wenn es überall klopft, als während Spechte am Werk. Die Enten sind auf Plastktütenknistern konditioniert und kommen Brot schnorren, im Reet an der Hafenmole brüten hunderte Vögel - ich denke, es sind Haubentaucher - die ihre Jungen auf dem Rücken tragen, die wiederum die Fotografen und Naturfreunde in den Hafen locken, sie zu fotografieren.

Ton zeigt mir auch Bilder von einem Ausflugsdampfer, der zwischen diesem und einem anderen Hafen hin und her pendelt, und mit dem ich auf Kollisionskurs war. Ich erinnerte mich an das Schiff, war in der Situation hart an den Wind gegangen, und es fiel etwas ab und ich halste dahinter. Dabei hatten Jonkers mich beobachtet.
Die Touristen fahren mit dem Schiff und steigen um in eine alte Dampfeisenbahn und kommen mit der normalen Bahn wieder zu ihrem Ausgangsort zurück. Bilder und Kurzvideos von der alten Bahn habe ich gesehen.

Ich habe ein wenig von meiner Fahrt erzählt und trollte mich aus der Kurzweil. "Beschleunigung der Langsamkeit" fanden sie nicht nur einen guten Ausstellungstitel, sondern auch gut für die Lebensweise. Holländer hätten einen weiten Blickwinkel und wir einigten uns sprachlich darauf, dass sie das Gegenteil von engstirnig seien. Angebereien und Protzertum scheinen sie nicht zu mögen - sehr sympatisch. Eine Segelzeitschrift berichtete über eine Dreizehnjährige, die allein mit Hund auf ihrer Yacht nach England gesegelt ist ... und so reiht sich eine Geschichte an die andere. Von deren Kanutour in Frankreich, auf der sie 25 km nicht einkehren konnten, es ging um Dias, Diavorträge und deren Gestaltung, Ton zeigte ein Bild von einem Gletscher in Island, das er in den Garten gestellt hatte und drum herum ein Spatz neben dem anderen saß und darauf warteten, gefüttert zu werden. Sehr skuril, die rahmten durch ihre Anwesenhreit den Gletscher. Eine andere Aufnahme habe ich nicht gesehen, nur erzählt bekommen. Er belichtete eine Wendeltreppe von unten nach oben und machte das nächste Bild von oben. Er schnitt sie nicht auseinander, denn die Teppe schneckte sich erst rechts herum und auf dem anderen links herum zusammen, sodass die briden Spiralen nebeneinander bleiben mußten und so gemeinsam hat er sie auch abziehen lassen.

Marianne erklärte den Ort, was wo zu finden sei, betüddelte mich mit Kaffee und Schokoriegeln, ergänzte die Geschichten hier und da.

 

In meinem Zelt gab es nachts noch Brot mit Forellenfilet, vier Scheiben habe ich verschlungen, und wenn der Fisch nicht zu Ende gewesen wäre ... 

 

Wegen der Hochofenhitze setze ich mich auf den Steg. Durfte von meinem morgendlichen Kocherunfall mit anschließender Nähaktion eines durchgebrannten Stabilisationsbandes berichten, bekam von Marianne Kaffee gebracht.

Ton, der nächste Bootsnachbar und der Skipper von der Sophia, Marianne, eine andere Frau und zwei Hunde gesellten sich auf dem Steg zusammen. Es dauerte ein wenig, bis ich begriff, dass es um meine Seitenschwerter ging, ich reichte die gebrochenen Teile, Gerede und Gezeige, das Gebrochene flicken, der von der Sophia geht los, sein Boot nach Holz zu durchsuchen, kommt wieder mit einem Stück Blech, die Frauen mischen sich ein, stoppen das Gerede über wie und wozu, so oder nicht. Ton holt sein Fietze und fährt in einen Baumarkt oder Bastelladen, dessen Besitzer mangels Geschäftsübergabemöglichkeiten den Ausverkauf macht, der Sophiaskipper verschwindet mit dem Brettteil, wo der Beschlag dran war, die anderen Männer fachsimpeln weiter über Badesprosse. Ein tiefer greifendes Ruderblatt ist auf jedenfalls zum Segeln besser.
Ton kommt mit einem vorgeschnittenen Brett Sperrholz angeradelt, Sophia-Skipper bringt den Beschlag, Poppnieten werden besorgt, Ton holt Holzöl. Im Nu sind viele Hände mit Hilfe verschiedener Bordwerkstätten beschäftigt, die flügellahme Badesprosse wieder an den Wind zu bringen.

Später muss ich die Beschreibung der Sophia nachreichen, die ich zum Schraubensuchen von innen sehen durfte.

 

So gegen zwei Uhr hatte ich allseits wieder aufgeräumt, eine kleine Diskussion mit dem Hafenmeister, der meinte, das ginge so nicht und ich verzog mich in den Schatten.

Nach Speck und Gemüse fiel ich in tiefen Schlaf.

Bin Abends aber doch noch rausgefahren und traf die heimkehrenden Marianne und Ton, die aus meiner Segelsetzaktion eine Fotosession machten und mir mit ihrem Boot das Fahrwasser frei hielten. Dann tummelte ich mich zwischen Segelschülern in Optimisten und auf Lasern herum, bei wenig Wind. Wenden klappen auch mit unbeladenem Boot nur selten, verliere zu viel Fahrt, wenn ich durch den Wind muss.

Gegenseitige Knipserei mit einer Schönen, die Schüler fotografierte.

Nach diesem Ausflug wollte ich noch eine Kleinigkeit für Ton und Marianne besorgen und erlebte einige verklärte Minuten bei klassischer Musik vom Glockenspiel aus dem Turm von Enkhuizen zwischen vielen kleinen Gassen und noch kleineren Häuschen. Ich war wie verzaubert ...

 

[Mittwoch, 19. August] 

Die Nacht war nicht so gut. Das ausführlicher, wenn ich daheim bin.

Morgens ausgiebigst alle sanitären Anlagen benutzt, Würfelspeck mit 5 Eiern und zwei Schoko-Croissants, freche Ente fotografiert, das ganze Gerödel zusammengepackt und den Schwimmsteg an die Ente zurückgegeben.
Danach ausgiebige Törnbesprechung mit Ton - er hat mir sogar eine Karte gezeichnet. Alles drauf, was für mich wirklich wichtig ist.

Ich bin auf See, kurz vor dem zweiten Kopf nach Norden. Gehe danach auf ca. 300° NO, halben Wind, vorbei an Medemblik nach Den Oever.

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