Der Urmut Moses', in geflochtenen Schwimmkörpern zu fahren
Geschrieben von Moses (online)
Mittwoch, 29. Juli 2009 um 13:31

Unter diesem Titel bin ich endlich wieder "on Tour", diesmal in einem Faltboot über Flüsse und Kanäle bis zur Nordsee.

Meine Reise kann in diesem neuen Blog fast "live" mitverfolgt werden.

Nicht jeden Tag kann es einen Eintrag geben. Elektronisch betriebene Übertragungsgeräte bauchen Strom, und in meinem Faltboot verzichte ich ganz klassisch auf eine Autobatterie.

Vorgenommen habe ich mir, die zunächst kurzen Mitteilungen nach der Exkursion mit ausgeschmückten Inhalten zu füllen und mit Bildern zu bereichern.

Grüße aus Paderborn
Moses.-

 
Ferien im Kindergarten - Hausmeister Moses im Faltboot auf der Pader ausgesetzt
Geschrieben von Moses (Mail)
Donnerstag, 30. Juli 2009 um 02:03

Werte Redaktion des Liborius Blick,

im Betreff dieser Mail schrieb ich "Ferien im Kindergarten - Hausmeister Moses im Faltboot auf der Pader ausgesetzt" - das ist kein Witz. Viele wissen ja bereits, dass ich vor meiner Tätigkeit als Hausmeister eine lange Künstlerkarriere hatte, und den Spitznamen "Moses" aus der Schulzeit im Landschulheim am Solling bei Holzminden zu meinem Künstlernamen machte. Nach diversen Diplomstudiengängen im naturwissenschaftlichen Ingenieurbereich und im Lehramt entschied ich mich für eine freie Tätigkeit als bildender Künstler.

Dass der Herr mich an das Kunigundisheim band und mich nach den etlichen Umwegen in den St. Liborius Kindergarten geleitete und mich Hausmeister werden ließ, schien mir nach dem vergleichsweise horenden Lernaufwand ziemlich gering, zu wenig, nicht Ziel meines Strebens. Jedoch mehr und mehr ist mir dieses Haus ans Herz gewachsen. Schon früh, nämlich ziemlich genau vor vierzig Jahren stand ich schon mal an der Aulatür, die sich gerade drei Stockwerke über mir befindet, und jammerte meiner Mutter die Ohren voll, dass ich auch bei den Balletstunden mitmachen wollte, die meine Schwester dort besuchte. Ich durfte in die Aula.

Der Künstlername Moses läßt einige Christen die Nase rümpfen. So muß ich sagen, dass es nicht üblich ist in unserer westlichen Welt diesen Namen zu tragen. Es ist aber auch eine Bezeichnung für einen Schiffsjungen auf See. Die Geschichte vom ausgesetzen Moses kennt wohl jeder.

Mich hat keiner ausgestetzt, wie damals Moses in einem selbstgebastelten bootsähnlichen Schwimmkörper. Doch wie ich spät in die Gemeinde zurückkehrte, auch der Name Moses spät zu mir kam, muß ich mich wohl selber aussetzen. Wir sind nicht in Ägypten und haben keinen länderübergreifenden Kontinentalstrom, dafür aber den kürzesten Fluss Deutschlands. Morgen begebe ich mich mit meinem Faltboot zu Fuß vom St. Liborius Familienzentrum zu den Paderwiesen und besteige es zu einer Tour über Lippe, Rhein und Lek nach Holland. Wenn die Zeit reicht, besegele ich auch das neue Segel auf dem Ijselmeer und erreiche so Gott will die Insel Texel.

Wenn Ihr Lust habt, schreibe ich einen Bericht über diese Exkursion im Faltboot von Paderborn nach Texel für eine der nächsten Ausgaben. Kurze Mail genügt.

Im Internet unter www.kuenstlerei-moses.de/news ist ein Link zum Tour-Blog, den ich unregelmäßig mit Nachrichten bestücke.

Liebe Grüße
Moses, Markus Schumann, Hausmeister

 

--

Künstlerei Moses
Giersmauer 26
33098 Paderborn
05251- 2 93 69 89

 

 
Antwort vom Liborius-Blick
Geschrieben von Webbie
Donnerstag, 30. Juli 2009 um 15:34

vom liborius-blick kam diese prompte antwort:

 

Lieber Herr Schumann,

eine schöne Idee. Es wird den Liborius-Blick bestimmt bereichern.

Man sollte nur überlegen, ob man den Bericht in das Heft vor Weihnachten setzt, oder lieber als Anleitung zum Nachmachen in dem Sommer-Blick kurz vor den nächsten Ferien.

Ich denke, ich kann für das ganze Redaktionsteam sagen: Wir freuen uns auf ihren Bericht.

Mit freundlichen Grüßen
Maria P[.]
Pfarrsekretärin und
Redaktionsmitglied Liboriusblick 

 
1. Tag: Bis zur Mündung der Pader
Geschrieben von Moses (SMS)
Donnerstag, 30. Juli 2009 um 22:53

Badesprosse [mein Boot] hat Ankerplatz an der Stelle, wo die Pader in die Lippe fließt.

Mußte zweimal umsetzen. Beim zweiten Mal netten Herrn getroffen. Sehr hilfsbereit, gab Tipps zu Einsetzstellen in Schloß Neuhaus.

Dann ein Schwätzchen mit Bürgermeister Josef Hackfort, er läßt seine Heimat Emmerich grüßen, soll winken, bevor ich Deutschland verlasse.

Im Dunkelwerden das barocke Schloß passiert, irritiert durch Strömungswechsel, tiefhängende Äste und viele Fledermäuse. Höre Grillen, Enten, rauschendes Wasser, muss da gefährliche Wehr sein. Bleibe hier, schlafen im Boot.

Mo 

 
2. Tag: Guten Morgen?
Geschrieben von Moses (SMS)
Freitag, 31. Juli 2009 um 07:41

Die Nacht war lausig. Kalt, habe gefroren, Autobahn machte Krach, die Vögel gegen fünf ungewohnt laut. Alles klamm und beschlagen unterm Planendach des Bootes.

Im Dunkeln alles aufgebaut, Stirnlampe benutzt und lustigen Fisch mit Taschenlampe geärgert.

Schlaf etwa vier Stunden. Frühstück Müsli, Fotos vom Schlafplatz. Gepackt und zur Wehr gefahrn.

Boker-Kanal biegt davor nach rechts ab, links neu aussehende Fischtreppe, Anlegestelle ok. Umtragen des Bootes und der Ausrüstung schwierig, links kantige Steinschüttung nicht gut für Bootshaut, rechts steile Böschung und Stümpfe im schnell fließenden Wasser. Ausrüstung an beiden Stellen wieder zu verpacken äußerst schwierig.

Kaffee fehlt, Handtuch vergessen, Schwimmweste an Garderobe hängen gelassen.

Temperaturen steigen langsam wieder ins Zweistellige. 

 
2. Tag: Wildwasser
Geschrieben von Moses (SMS)
Freitag, 31. Juli 2009 um 15:49

Einstiegsplatz am Wehr gelöst: Sachen auf die steinige Seite getragen, Boot an Grasseite im schnellen Wasser eingesetzt und dann rübergefahren. Dort einladen leichter.

Havarie im Sande! Ende Lippesee ca. 60m angelegte Wildwasserstelle, genau angesehen, Kaffee und Brote besorgt, Wasserkühlung in Boot eingebaut, dafür musste eine Rückenlehne weichen und die Fußsteuerung war auch im Weg.
Erste beide Kurven gut gekriegt, letzte schnelle Richtungsänderung nicht, Bug in voller Wildwasserfahrt frontal gegen Felsen gesetzt, Vorratskoffer zertrümmerte von hinten die Rückenlehne, die Steuerung hielt meinen Füßen nicht stand. Kann weiterfahren.

Bin ein paar km hinter Boke, ein Bach kam von links dazu. Lippe mäandert heftig, immer volle Konzentration, sonst drohen Äste und Gestrüpp. Kentern hier ungünstig, steile Böschungen, kein Anlanden und Trockenlegen.

Stehe gerade in seltener Kehrwasserbucht und erhöhe meinen Zuckerspiegel. Will noch zwei Stunden fahren, ab 6 Nachtquartier suchen.

Gibt schwarmweise blau-schwarze Libellen (oder sowas ähnliches). 

 
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